Achten Sie auf … Niklas Östberg

23 May 2014

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By Jonas Leppin

Niklas Östberg. Der CEO von Delivery Hero weiß, wie man 285 Millionen Dollar schluckt.

NICHT MAL EINEN BURGER kann Niklas Östberg (34) in Ruhe essen. Schon stehen sie neben ihm: Unternehmer, Gründer, BWL-Studenten. Neulich wieder auf einer Start-up-Konferenz. Ein junger Mann mit Hipster-Brille versucht ihm im 30-Sekunden-Pitch eine Idee zu verkaufen. Östberg bleibt freundlich, tippt auf seinem Smartphone. „Ich hätte es genauso versucht”, sagt er.

Der Chef von Delivery Hero ist ein Vorbild für deutsche Start-up-Pioniere, seit er für den Berliner Onlinebringdienst 285 Millionen Dollar eingesammelt hat. Neuester Coup: Der amerikanische Investmentfonds Luxor Capital steckt 85 Millionen Dollar in den digitalen Lieferservice.

Das Wagniskapital hat Niklas Östberg für die Geschäftsidee bekommen, Onlineaufträge für Pizzerien, Döner-Grills und Sushi-Läden zu vermitteln. Die Erfolgsbilanz von Delivery Hero, das in Deutschland mit der 2010 gegründeten Tochterfirma Lieferheld bekannt wurde: ein Netzwerk über 60 000 Restaurants in 14 Ländern, 5 Millionen vermittelte Mahlzeiten im Monat. Mehr als eine halbe Milliarde Dollar Jahresumsatz generieren die Restaurantpartner bereits. Klingt gut, auch wenn von einem dauerhaften Gewinn noch keine Rede sein kann. Der Wettbewerb für Essensbestellportale im Internet ist hart, die Geschäftsmodelle sind ähnlich. Eine Weile war viel von geklauten Speisekarten und Internetserver-Attacken die Rede. Auch Delivery Hero beteiligte sich mit fiesen Tricks am Wettstreit der Pizzaportale.

Seit Januar 2013 ist Östberg alleiniger CEO. Fast wäre er mal Skilanglaufprofi geworden, studiert hat er Ingenieurwissenschaften in Stockholm und Zürich. Heute lebt er mit Frau und Sohn in der Schweiz. Das frische Kapital will Östberg nicht für Aufkäufe ausgeben, so wie es die Konkurrenz tut. Er möchte „in noch bessere Technik und Netzwerke investieren”. Vielleicht die richtige Strategie, um sich im unerbittlichen Wettstreit durchzusetzen. Auch ein Börsengang scheint möglich. In der Branche heißt’s: Er wird nächstes Jahr liefern.