Strafbefehle gegen Lieferdienst-Startup

03 Jan 2013

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Von Volker Briegleb

Unter deutschen Lieferservice-Startups wird offenbar mit harten Bandagen gekämpft. Die Szene hatte in der Vergangenheit bereits mit DDoS-Attacken und einer Polizeirazzia für Schlagzeilen gesorgt. Der Berliner Anbieter Lieferheld hat nach Vorwürfen des Datenbankdiebstahls nun Strafbefehle gegen sieben Führungskräfte akzeptiert. Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag die Strafbefehle gegen das Unternehmen und damit einen Bericht des Branchendienstes Deutsche Startups.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das Unternehmen wegen des Verdachts ermittelt, Lieferheld habe eine Datenbank des Konkurrenten pizza.de unrechtmäßig kopiert. Dabei gehe es um “einen Vorfall aus den ersten Wochen unserer Unternehmensgeschichte in 2010”, wie eine Lieferheld-Sprecherin gegenüber heise online erläuterte. “Hier ging es um Menüdaten eines unserer Wettbewerber. Wir haben 2010 sofort – und bevor uns der Missstand angezeigt wurde – reagiert und ihn ausgeräumt.”

Mit einem Strafbefehl können Verfahren in minderschweren Fällen ohne Hauptverhandlung abgeschlossen werden. Im konkreten Fall hat das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprochen und Strafbefehle mit Geldstrafen in Höhe von jeweils 90 Tagessätzen gegen sieben Führungskräfte der Lieferheld GmbH ausgestellt, was drei Bruttomonatslöhnen entspricht. “Wir halten den Ausgang in dieser Sache für nicht verhältnismäßig”, betont die Sprecherin. Dennoch wollen die Lieferhelden die Strafbefehle akzeptieren und die Sache damit aus der Welt schaffen.

In Deutschland tummelt sich eine Handvoll Startups, die Speisekarten von Lieferdiensten bundesweit in einer Datenbank sammeln, Online-Bestellungen für die teilnehmenden Anbieter annehmen und gegen Provision vermitteln. Die Branchengrößen pizza.de, Lieferando und Lieferheld stehen im intensiven Wettbewerb. Dabei geht es nicht immer zimperlich zu.

Im August 2011 hatte die Branche mit einer Reihe von DDoS-Attacken unter anderem gegen Lieferando und pizza.de für Schlagzeilen gesorgt. Lieferando hatte schließlich Lieferheld für die Angriffe verantwortlich gemacht. Entsprechende Ermittlungen führten zwar zu einer Razzia in den Berliner Büros von Lieferheld, wurden aber im Sommer 2012 eingestellt. Unterdessen haben pizza.de und Lieferando eine Belohnung für Hinweise auf die Urheber der Angriffe ausgelobt.

Laut Bericht von Deutsche Startups soll es zudem nun auch Bemühungen geben, die Ermittlungen bezüglich der DDoS-Attacken wieder aufleben zu lassen. Auch dahinter vermutet Lieferheld die Konkurrenz. “Wir möchten erneut betonen, dass Lieferheld nicht in DDoS-Attacken gegen andere Unternehmen involviert ist”, erklärte die Sprecherin. “Im Gegenteil, Lieferheld ist selbst wiederholt Ziel von DDos Attacken geworden.”

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